Praxis für Physiotherapie Hans Hess

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News

Diagnose Autismus

Die Formen von Autismus-Spektrum-Störungen zeigen sich in unterschiedlichen – sprich leichten bis schweren, aber vor allem individuellen – Ausprägungen. Für das Umfeld von Kindern mit Autismus ist auch daher nicht immer einfach zu erkennen, dass eine Störung vorliegt; einer der Gründe, weshalb manche betroffenen Kinder ihre Diagnose vergleichsweise spät erhalten. „Im Rahmen der ergotherapeutischen Edukation wollen Eltern unter anderem lernen, besser zu unterscheiden: ist das extreme Verhalten gerade Charaktersache, typisch für die aktuelle Entwicklungsphase wie Trotz oder Pubertät, ist es Autismus-bedingt oder alles zusammen und wie lässt sich zielgerichtet damit umgehen“, gibt David Wild, DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.), einen ersten Einblick in das Spektrum ergotherapeutischer Hilfe bei Autismus.

Wer den Alltag mit einem autistischen Kind reibungsloser gestalten möchte, muss zunächst Verständnis für dessen Verhaltensweisen entwickeln. Voraussetzungen hierfür sind das Wissen zum Störungsbild ebenso wie die (Er-)Kenntnisse zu den Besonderheiten des Kindes. Denn die Schwierigkeiten, die Eltern mit diesen Kindern erleben, sind so verschieden wie die Menschen selbst. Der Ergotherapeut David Wild bestätigt: „Es gibt autistische Kinder, die es schaffen, sich in der Schule angepasst zu verhalten: aufpassen, mitmachen, sich konzentrieren und gute Leistungen zeigen“. Dadurch ist ihr Energiehaushalt regelrecht leergepumpt. Manche brauchen zuerst Ruhe, andere gehen über ihre Grenzen, sind nicht mehr imstande, sich selbst zu regulieren, was sie jedoch selbst genauso bedauern, wie das betroffene Umfeld. Wieder andere kommen mit der Schulsituation nicht zurecht, weil sie dort mehr Reize empfangen, die Unruhe größer ist als zuhause oder es zu unerwarteten, nicht geplanten Ereignissen kommt.

Informations- und Wissensaustausch für Eltern Sind die individuell voneinander abweichenden Ursachen für die Eskalationen des Kindes enttarnt, lassen sich kritische Situationen eher vermeiden. All das herauszufinden, sich ein genaues Bild vom Kind, der Familie und dem Umfeld zu machen, gehört zu den Aufgaben, die bei Ergotherapeut:innen angesiedelt sind. Die ergotherapeutische Intervention ist von Anfang an Teil der Behandlung von Kindern mit Autismus und findet zunächst überbrückend statt, bis ein Platz in einem Autismus-Therapiezentrum zur Verfügung steht. Meist beschäftigen Autismus-Therapiezentren Ergotherapeut:innen; andernfalls gibt es deutschlandweit ergotherapeutische Praxen, die die Arbeit mit dem Kind ambulant fortführen. Um den Eltern im Moment der Diagnose „Autismus“ eine Soforthilfe anbieten zu können, hat David Wild sich etwas Besonderes einfallen lassen: er gibt Elternabende. Wenn möglich vor Ort, Pandemie-bedingt online. Eine Gruppe von zehn Familien erfährt bei ihm an fünf Abenden Grundlegendes zum Störungsbild. Die Diagnose Autismus ist für viele noch immer sehr klischeebehaftet, womit David Wild zumindest bei den betroffenen Eltern durch Wissensvermittlung aufräumt. Er legt ihnen dar, dass Autismus nicht ‚wegtherapierbar‘ ist, sie aber Verständnis für die Eigenarten ihres Kindes erlernen und dadurch einen besseren Umgang miteinander erlernen können. So lassen sich viele Erleichterungen im Alltag erreichen.

Die Innenwelt des Kindes erforschen lernen Darüber hinaus bieten die Treffen Raum für die Fragen der Eltern und – typisch Ergotherapie – das Umfeld; meistens kommen die Großeltern mit. Häufig bringen die Familien Essen als Thema mit: Autistische Kinder stören sich gerne an Optik, Konsistenz, Haptik, Geruch, Form, Farbe oder Temperatur der Nahrung, haben ein sehr eigenes Empfinden. Diese Faktoren sind wenig bekannt und führen mitunter zu der Schlussfolgerung des Umfelds, das Kind äße nicht gerne, was selten stimmt. Nicht nur die Speisen selbst, auch die sozialen Aspekte – beim Essen mit anderen am Tisch sitzen oder sich unterhalten zu müssen – können bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen Stress verursachen und zu Eskalationen führen. Diesen Stress versuchen sie zu vermeiden, indem sie sich beispielsweise vom gemeinsamen Essen mit der Familie ausschließen – ein Verhalten, das sie auch in anderen Zusammenhängen zeigen.

Kooperationsbereitschaft des Kindes herbeiführen Die Gruppendynamik der Elternabende wirkt sich von Anfang an positiv aus: Mit dem vom Ergotherapeuten vermittelten Wissen und dem Austausch untereinander gelingt es den teilnehmenden Eltern oft schon sehr schnell, neue Lösungsansätze für Konfliktsituationen zu entwickeln. „Die Elternabende sind auch dazu da, den Prozess des Umdenkens zu initiieren, anders nachzudenken, um tiefergehende Einsichten über die Innenwelt des eigenen Kindes zu gewinnen“, verdeutlicht der Ergotherapeut David Wild eine weitere, wesentliche Bedeutung dieser Gruppenveranstaltung. Weiterhin lernen die Eltern bei den Elternabenden verschiedene Hilfsmittel und Strategien für das tägliche Miteinander einer Familie mit einem autistischen Kind kennen. Tages- oder je nach Schwere der Störung Handlungspläne und andere Strukturen sind im Alltag äußerst hilfreich. Kennen Kinder mit Autismus die auf sie zukommenden Anforderungen und Abläufe, fühlen sie sich sicherer und es kommt zu weniger Entgleisungen. Die Kunst ist jedoch, die Pläne auch an den Bedürfnissen und Wünschen des Kindes zu orientieren, es optimalerweise bereits in der Planungsphase einzubeziehen. Für Kinder mit Autismus gilt dieses für jeden Menschen sinnvolle Prinzip umso mehr, da mit dieser Störung eine ausgeprägte Ich-Bezogenheit einhergeht. Versteht das Kind also, warum etwas so ist, wie es ist, wächst die Kooperationsbereitschaft mitzumachen und sich an Regeln zu halten. So lassen sich viele Diskussionen auf Ausnahmesituationen beschränken.

Zukunftsperspektiven für Kinder mit Autismus Auch auf Ausnahmesituationen bereiten Ergotherapeut:innen vor, arbeiten mit den Betroffenen Strategien aus, um Probleme und Schwierigkeiten oder Unvorhersehbares zunehmend besser zu bewältigen. David Wild berichtet aus der ergotherapeutischen Praxis, wie sehr den Eltern die Befähigung ihrer Kinder, mit Problemen umgehen zu können, am Herzen liegt, was nicht wundert. Ist dies doch eine unabdingbare Voraussetzung, um dem Kind später mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen. Den letzten Abend widmet der Ergotherapeut den Chancen, die Kinder mit Autismus haben. Angefangen von der schulischen Entwicklung – mittlerweile erhalten die meisten Kinder mit Autismus im Alter von etwa sechs bis acht Jahren ihre Diagnose – geht es um Zukunftsfragen: ‚wo kann das Kind später arbeiten, wohnen, leben‘. Auch wenn dies bei den wenigsten zu diesem Zeitpunkt relevant ist, können Eltern beruhigter in die Zukunft blicken, wissen sie, dass es eine Perspektive gibt und sie, beziehungsweise ihr dann erwachsenes „Kind“, bei vielem Unterstützung erhalten können.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeuten vor Ort; Ergotherapeuten in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche

09.09.2021 DGA | Quelle: Deutscher Verband Ergotherapie e.V.

So bekommen Kinder mehr Spaß an Bewegung, Spiel und Sport

„Bewegung, Spiel und Sport im Krippen- und Kindergartenalter. Forschung aus der Praxis für die Praxis“ ist der Titel eines im Universitätsverlag Chemnitz erschienen Sammelbandes, in dem 24 Autorinnen und Autoren ihre langjährigen sportwissenschaftlichen und praktischen Erfahrungen eingebracht haben. Die meisten von ihnen haben eine enge Bindung zur Kindersportschule Chemnitz (KiSS), die im Jahr 2005 zusammen mit einem Sportverein ins Leben gerufen wurde. Das Institut für Angewandte Bewegungswissenschaften und die Professur Fachdidaktik Sport und Bewegungserziehung am Zentrum für Lehrerbildung der Technischen Universität Chemnitz begleiteten bzw. begleiten die KiSS wissenschaftlich.

Das Ziel des Sportprogramms der KiSS Chemnitz war und ist es, breitensportliche und sportartunspezifische Bewegungsangebote für möglichst viele junge Kinder zu schaffen. 16 Jahre nach der erfolgreichen Implementierung dieses ursprünglich baden-württembergischen Sportvereinsmodells in Chemnitz werden nun in dem mehr als 300-seitigen Sammelband zahlreiche praxiserprobte Ideen, Gestaltungsformen und einfach anwendbare Kurskonzepte für vielfältige Bewegungsstunden mit Babys und ihren Eltern sowie Krippen-, Kindergarten- und Vorschulkindern präsentiert. Sie sind für die praktische Anwendung konzipiert, basieren zugleich auf Erkenntnissen wissenschaftlicher Forschung. In der Publikation werden dabei auch Themen mit hoher Relevanz in den Fokus gerückt, wie z. B. Naturerleben, Vielfalt und Integration sowie der Übergang vom Kindergarten zur Schule.

In das Buch eingeflossen sind u. a. auch Erkenntnisse aus Abschlussarbeiten von KiSS-Übungsleiterinnen und -Übungsleitern sowie KiSS-Mitarbeitenden zu forschungs- und praxisrelevanten Themen des Kindersports im Krippen- und Kindergartenalter. Hinzu kommen Beiträge der Herausgeberin und KiSS-Gründerin Katrin Adler aus ihrer Forschungszeit in Karlsruhe am Institut für Sportwissenschaften und an der Pädagogischen Hochschule FH Nordwestschweiz.

Prof. Dr. Meike Breuer, Inhaberin der Professur Fachdidaktik Sport und Bewegungserziehung am Zentrum für Lehrerbildung der TU Chemnitz, schreibt im Vorwort: „Für die abwechslungsreiche Praxis bietet das Buch reichhaltige Anregungen und damit die Grundlage, um Kindern einen freudvollen Zugang zu Bewegung, Spiel und Sport zu ermöglichen. Die inhaltliche Ausgestaltung lässt eine Auswahl verschiedener Bewegungsfelder zu, die alle mit der Lebenswelt der Kinder verknüpft sind.“

Bibliographische Angaben: Bewegung, Spiel und Sport im Krippen- und Kindergartenalter. Forschung aus der Praxis für die Praxis, Katrin Adler & Christian Andrä (Hrsg.), Universitätsverlag Chemnitz, 2021, 307 Seiten, ISBN 978-3-96100-119-4, Preis: 29.90 Euro

Woher kommen Rückenschmerzen? Neue DFG-Forschungsgruppe bewilligt

Schmerzen im unteren Rückenbereich gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. Sie sind daher von großer medizinischer, sozialer und nicht zuletzt ökonomischer Bedeutung. Die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Die Dynamik der Wirbelsäule: Mechanik, Morphologie und Bewegung für eine umfassende Diagnose von Rückenschmerzen“ will grundlegend neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Rückenschmerzen entstehen, um die Diagnose und Therapie zu verbessern. Dazu vereint das Konsortium Forscher*innen verschiedener Disziplinen und plant, 3.000 Proband*innen mit und ohne Rückenproblemen zu untersuchen.

Außerdem sollen neue therapeutische Ansätze in experimentellen Modellen entwickelt werden. Sprecher der neu bewilligten DFG-Forschungsgruppe ist Professor Dr. Hendrik Schmidt vom Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH).

„Zwei von drei Menschen sind im Verlauf ihres Lebens von Rückenschmerzen betroffen“, sagt Professor Hendrik Schmidt, der Leiter der Arbeitsgruppe „Biomechanik der Wirbelsäule“ am Julius-Wolff-Institut des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). „Und wir können immer noch nicht genau vorhersagen, wer davon betroffen sein wird. Denn Rückenschmerzen haben viele Ursachen. Diesen wollen wir nun auf den Grund gehen.“

Viele Gründe für Rückenschmerzen

Die Gründe, warum der Rücken zu schmerzen beginnt, sind in der Tat vielfältig: Zu den bekannten Ursachen zählen Bewegungsmangel und Übergewicht, falsche Haltung am Arbeitsplatz, häufiges und falsches Heben und Tragen von Lasten. Darüber hinaus können auch bestimmte körperliche Erkrankungen Rückenschmerzen begünstigen. Auch Stress und Alltagssorgen gehen an unserem Rücken nicht spurlos vorüber, denn neben körperlichen Erkrankungen, können auch Stimmung, Lernvorgänge und psychische Belastung mit Schmerzen im Rücken zusammenhängen. Weniger weiß man über genetische Grundlagen, biochemische Mechanismen, soziale Auslöser oder das Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

„Entsprechend können wir auch noch nicht jedem Patienten und jeder Patientin die individuell angepasste Therapie anbieten“, erklärt Schmidt. Gegenwärtig wird bei Rückenbeschwerden auf der Grundlage einer einmaligen körperlichen Untersuchung und/oder bildgebender Verfahren wie MRT und Röntgen eine klinische Diagnose gestellt und damit bestimmte Therapien empfohlen. Diese statischen „Momentaufnahmen“ in einer für die Patienten fremden Umgebung geben jedoch keine ausreichende Information über die zugrundeliegenden Mechanismen von Rückenbeschwerden. Daraus ergeben sich sehr häufig falsche Diagnosen und Therapieentscheidungen, die sich im späteren Verlauf als „Therapieversager“ herausstellen. „Wir wollen diese unbefriedigende Situation durch wissenschaftliche Studien verbessern. In Zukunft muss die Wirbelsäule als Organsystem „mit dynamischer Funktion“ verstanden sowie biochemische und psychosoziale Zusammenhänge miterfasst werden. Wir wollen von einer statischen Kurzzeitanalyse („Momentaufnahme“) zu einem dynamischen Abbild der Wirbelsäule gelangen und dazu Messwerte für die Haltung und das Bewegungsprofil im Alltag erheben. Nur so können wir in Zukunft ein „Therapieversagen“ vermeiden.“

3000 Proband*innen gesucht

Für ihr umfassendes Projekt haben Hendrik Schmidt und seine Co-Sprecher Professorin Dr. Sara Checa vom Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration und Professor Dr. Christoph Stein von der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin am Charité Campus Benjamin Franklin Vertreter*innen der Biomechanik, Orthopädie und Unfallchirurgie, Trainings- und Bewegungswissenschaften, Anästhesiologie, Pharmakologie, Mathematik und Gesundheitspsychologie von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Medical School Berlin und des Zuse Instituts zur neuen DFG-Forschungsgruppe zusammengerufen. „Wir wollen eine gemeinsame Herangehensweise entwickeln. Wir planen, zusammen mit Priv.-Doz. Dr. Matthias Pumberger vom Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie insgesamt 3000 Probandinnen und Probanden mit und ohne Rückenschmerzen gründlich zu untersuchen, um herauszufinden, woher die Probleme rühren“, so Christoph Stein. Zum Programm zählen u.a. eine Aufnahme mit dem Magnetresonanztomographen (MRT), orthopädische Untersuchungen, Ganganalysen, Kurz- und Langzeit-Funktionsanalysen und Fragebögen zur Ernährung, zum Bewegungsprofil, zur psychologischen und sozialen Situation, experimentelle Studien sowie biometrische Messungen, etwa der Körpergröße und des Gewichts.

Individuelle Behandlung als Ziel

„Unser erstes Ziel ist es, die Rolle und das Zusammenwirken von Morphologie, Bewegung und Mechanik im Bereich des unteren Rückens, also der Lendenwirbelsäule und des Beckens, aufzuklären“, erklärt Sara Checa. „Im nächsten Schritt möchten wir dann herausfinden, wie die individuellen Parameter wie Alter, Geschlecht und Anatomie sowie die biochemischen und psycho-sozialen Faktoren zur Entwicklung von Rückenschmerzen beitragen.“ Tierexperimentelle sowie mathematische Modelle sollen die Studien mit menschlichen Probanden ergänzen. Für das Zusammenführen und die Analyse der so erhobenen großen Mengen an unterschiedlichen Daten werden die Wissenschaftler*innen moderne „Machine learning“ Systeme mit künstlicher Intelligenz einsetzen.
„Wir hoffen natürlich, dass uns diese aufwändigen Untersuchungen neue Möglichkeiten eröffnen, Rückenschmerzen klinisch zu diagnostizieren und individuell die Behandlung zu planen“, sagt Hendrik Schmidt. „Und damit der Volkskrankheit „Rückenschmerz“ erfolgreich begegnen zu können.“

Für die Studie werden Proband*innen im Alter von 18 bis 64 Jahren mit und ohne Rückenschmerzen gesucht. Die Studie beginnt voraussichtlich am 01.01.2022. Informationen unter www.jwi.charite.de/forschung/forschung_biomechanik_auf_organebene/biomechanik_der_wirbelsaeule

Das Büro der Zukunft

„New Work“ ist schon länger ein Thema, das die Arbeitswelt verändert und durch Home Office und Co. im letzten Jahr einen wahren Boom erfahren hat: Flexible Arbeitsmodelle, eine ausgewogene Work-Life-Balance und das Aufbrechen veralteter Strukturen bilden das Konzept einer neuen Arbeitskultur, in der der Arbeitnehmer im Mittelpunkt steht. Der Büroalltag hat sich somit bereits verändert – das bietet neue Chancen, kann aber auch gewisse Risiken mit sich bringen. Die Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. hat diese identifiziert und für Sie zusammengefasst – für mehr Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

New Work & Home Office

Sowohl die Digitalisierung als auch der demografische Wandel haben einen erheblichen Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Die Ereignisse des letzten Jahres haben den Megatrend New Work deutlich beschleunigt. Doch stellt sich nun die Frage, wie der Büroalltag nach der Pandemie aussehen wird und welche Erwartungen zukünftig an die Arbeitswelt gestellt werden sollten. Einer Erhebung des Beratungsunternehmens Ernst & Young zufolge, möchten zukünftig 81 Prozent der Befragten nicht mehr an allen Wochentagen im Büro arbeiten.(1) Demnach ist der Wunsch nach Home Office groß. So wird es voraussichtlich auch nach der Eindämmung der Pandemie vermehrt das Angebot geben, von zuhause oder mobil zu arbeiten.

Vorteile & Nachteile

Das Arbeiten von zuhause bietet eine Vielzahl an Vorteilen: Lange Arbeitswege entfallen, ebenso wie der damit verbundene Stress und Zeitaufwand und führen so zu einem Freizeitgewinn. Der Beginn des Arbeitstages ist deutlich entspannter. Hier ist aber auch die allgemeine Zeiteinteilung des Arbeitstages zu nennen, da Sie diese im Home Office mitunter deutlich individueller gestalten können. Für Pendler sind das Plus im Portemonnaie durch geringere Benzinkosten oder der Wegfall der monatlichen Zugfahrkarte ebenfalls willkommene Effekte. Darüber hinaus finden viele zuhause ein ruhigeres Arbeitsumfeld vor, denn besonders in Großraumbüros kann es manchmal ganz schön laut werden.(2)

Neben den genannten Vorteilen, die diese Arbeitsform bietet, birgt sie leider auch einige Risiken. Beispielsweise steigt bei der Arbeit im Home Office die Gefahr an einem Burn-out zu erkranken nachweislich. Das liegt daran, dass bei der Heimarbeit ein höherer Leistungsdruck empfunden wird, wenn man beruflich aufsteigen möchte. Grund dafür ist der fehlende persönliche Kontakt zu den Vorgesetzten, der durch ein gesteigertes Arbeitspensum und ständige Erreichbarkeit kompensiert wird. Das Arbeiten im Home Office verlangt mehr Zeit- und Kraftaufwand und ist dadurch deutlich schwieriger.(3) Doch auch auf sozialer Ebene gibt es Nachteile: Der Austausch mit den Kollegen, ein kleiner Plausch beim Kaffee oder jegliche weitere spontane Begegnungen sind im Home Office nicht möglich.(4) So wird die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen erheblich erschwert, was zu Gefühlen der Isolation und Einsamkeit führen kann.

Der gesunde Arbeitsplatz

Natürlich ist die New Work-Bewegung nicht zwangsläufig ans Home Office gebunden. Durch die Corona-Pandemie hat sich der Fokus aber dahingehend verschoben. Es geht bei New Work vielmehr darum, dass die Arbeit zukünftig mit den individuellen Interessen, Bedürfnissen und Werten sowie dem Wohlbefinden des Arbeitnehmers im Einklang steht. Dazu gehören auch Maßnahmen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Der herkömmliche Büroalltag ist durch langes Sitzen und wenig Bewegung gekennzeichnet. Die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck zu erkranken, steigt erheblich. Doch durch freiere und flexiblere Arbeitseinteilungen kann die Motivation uns mehr zu bewegen und Sport zu treiben steigen. Vorausgesetzt, jeder einzelne legt auch die notwendige Disziplin an den Tag. Genau das ist essenziell, um Körper, Geist und Seele gesund zu halten. Hier setzt New Work den Grundstein für den Arbeitsplatz von morgen.

Jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse. Wie der perfekte Arbeitsplatz der Zukunft aussieht, kann man nicht pauschal sagen, da es nicht die eine Lösung für alle gibt. Fest steht jedoch, dass immer mehr Menschen Wert auf körperliche Aktivitäten im Büroalltag legen. Besonders Ihr Rücken profitiert davon, denn das ständige Sitzen in ein und derselben Position kann dauerhaft zu starken Beschwerden führen. Es braucht also die kleinen Bewegungsverführer, die für eine zusätzliche Einheit an Aktivität im Arbeitsalltag sorgen sowie der richtigen Büroausstattung um dem entgegenzuwirken – die ein oder andere Übung am Arbeitsplatz oder auch am Feierabend hilft zusätzlich.

Wie geht es besser?

Sowohl das aktiv-dynamische Sitzen als auch höhenverstellbare Schreibtische sind weiterhin auf dem Vormarsch und bieten eine willkommene Abwechslung für Ihren Rücken. Aber was ist damit eigentlich gemeint? Beim aktiv-dynamischen Sitzen wechseln Sie möglichst oft Ihre Sitzhaltung. Getreu dem Motto: Die nächste Sitzhaltung ist die bessere Sitzhaltung. Gefördert wird das durch Aktiv-Bürostühle, die, je nach System, auch unbewusst für eine höhere Anzahl an Haltungswechsel sorgen, als es bei herkömmlichen „unbeweglichen“ Bürostühlen der Fall ist. Deshalb sind sie u.a. besonders empfehlenswert für Menschen, die durch ihre fast ausschließlich sitzenden Tätigkeiten auf zusätzliche Bewegungsimpulse angewiesen sind. So sind sie nicht nur die ideale Ergänzung für einen Sitz-Steharbeitsplatz - ihr Wohlbefinden und Ihre Leistungsfähigkeit werden so nachweislich gesteigert. Welche Systeme es gibt und welches für Sie das Richtige ist, können Sie unter https://www.agr-ev.de/aktiv-buerostuehle nachlesen.

Übrigens: Sie sollten mindestens 30 Prozent Ihrer Arbeitszeit stehend verbringen. Neben den höhenverstellbaren Schreibtischen bieten mobile Sitz- Stehpulte eine optimale und vor allem flexible Lösung, um dieses Ziel zu erreichen. Insbesondere als Ergänzung zum klassischen Schreibtisch. So können Sie schnell und unabhängig vom Schreibtisch die eine oder andere Tätigkeit im Stehen erledigen. Zudem sind Sie durch montierte Rollen nicht an einen festen Platz gebunden und können so ganz leicht Ihren Arbeitsplatz auch in andere Räumlichkeiten verlegen. Durch mobile Sitz- Stehpulte entwickelt sich also wie im Handumdrehen ein automatisierter Haltungswechsel.

Um Ihrem Rücken zusätzlich etwas Gutes zu tun, können Sie verschiedene kleine Bewegungseinheiten in Ihren Büroalltag einbauen. Anfänglich sind einfache Dehnübungen geeignet. Sie entspannen die Muskeln und halten diese beweglich. Doch ist wichtig, dass Sie den Schreibtisch auch mal verlassen! Nutzen Sie die Mittagspause oder den Feierabend für einen Spaziergang oder führen Sie weitere kleine Übungen durch. Unter www.agr-ev.de/uebungen finden Sie viele verschiedene Übungen, die sich leicht in den Arbeitsalltag einbauen lassen.

Sie sehen, ein bisschen mehr für die eigene Gesundheit zu tun, insbesondere im Büroalltag, erfordert nicht viel Aufwand – das sollten sich auch Unternehmen zu Herzen nehmen und ihren Mitarbeitern verschiedene Möglichkeiten bieten. Mit dem New-Work-Trend ist dahingehend ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, denn das Arbeitsleben wird neu gedacht und gestaltet. Durch das vermehrte Einbeziehen von gesundheitlichen und sozialen Aspekten können viele Arbeitnehmer profitieren – die Zukunft kann also kommen!

31.08.2021 DGA | Quelle: Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.



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